Diesmal Interessantes zur Uhrmacherfamilie Spies

Ian D. Fowler, seines Zeichens Experte für Uhrengeschichte, konnte wieder vor vollem Haus sprechen: Auch zum zweiten Teil seines Vortrages zur Siegerländer Uhrengeschichte hatte sich die Uhren-Etage des Freudenberger 4FACHWERK-Museums bis auf den letzten Platz gefüllt.
Diesmal stand die Uhrmacherfamilie Spies aus Siegen im Zentrum seiner Betrachtungen. Dabei geht es um die Brüder Johann Georg Spies (1747-1795) und Johannes Henrich Spies (1751-1815). Ihr Vater war Hermanus Spies aus Gosenbach (1704-1773), ein damals offensichtlich angesehener Bürger, Schmied und Eisenhändler, der dort den Keppelschen Hof gepachtet hatte und auch Anteile an der Grube „Krautgarten“ in Niederfischbach besaß. Die verwandtschaftliche Linie führt zu seinem Vetter Hermann Achenbach in Neuwied, der – 1731 in Marienborn geboren – ab 1753 in der bekannten Neuwieder Uhrenwerkstatt von Christian Kinzing tätig war. Fowler vermutet, dass zumindest einer der Spies-Söhne hier eine Lehre absolvierte.

Bekannt sind in der Fachwelt etwa 40 Bodenstanduhren der Uhrmacher Spies, zumeist aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Der Name Spies taucht zudem in den Siegener Stadtrechnungen für die Wartung der Uhren in der Nicolaikirche und am Rathaus auf. Einen interessanten Hinweis gab Fowler, der dann auch das Freudenberger Gebiet betrifft: So war 1783 in den „Dillenburger Intelligenznachrichten“ zu lesen, dass der ob seiner Geschicklichkeit bekannte Uhrmacher Spies in Siegen eine musikalische Tafeluhr mit Flötenwerk hergestellt habe. Der „in seiner Feinheit und Güte seiner Arbeit ebenfalls berühmte Klaviermacher Booß zu Niederndorf“ habe dazu eine Orgel gefertigt, die „zehn Stücke neuesten Composition“ spiele. Dieses Werk „nach neuestem Geschmack“ wird in der Zeitungsanzeige den „Landleuten und Liebhabern um einen billigen Preiß“ angeboten. Bei dem „Tonsetzer Booß“ dürfte es sich um Arnold Boos handeln, am 29. Januar 1751 in Oberfischbach getauft, u.a. Orgeln für die Kirchen Oberfischbach und Gebhardshain baute. Heute erinnert das „Boos-Hus“ in der Ortsmitte von Niederndorf an diesen berühmten Zeitgenossen.

Johann-Georg Spies war im übrigen der Lehrmeister von Johann-Peter Stahlschmidt aus Plittershagen, der hier im Alter von 23 Jahren seine Ausbildung begann und später „im Flecken“ die große Handwerkstradition der „Stahlschmidt-Uhren“ begründete. Über ihn wird Ian D. Fowler am Mittwoch, den 30. September 2015, in seinem nächsten Vortrag sprechen.

Eine Reihe der „Stahlschmidt-Uhren“ sind im Obergeschoss des Freudenberger Mittendrin-Museums zu bewundern. Und der 4FACHWERK-Museumsverein legt großen Wert darauf, die Sammlung zu erhalten, zu erweitern und das Wissen um diese traditionsreiche Handwerkskunst und seine hiesigen Urheber für unsere Zeit aufzubereiten. Das Haus, in dem Stahlschmidt 1781 seine Werkstatt einrichtete, heute „Oranienstraße 31“, liegt nur wenige Meter vom Museum entfernt.

„Im Wandel“ zeigt farblich gestaltete Bewegung

Ausstellung von Irmlind Vormann

„Es sind Bilder, die den Betrachter weder inhaltlich noch emotional einengen“, lobt Rosemarie Colpe die Werke ihrer Freundin Irmlind Vormann, die jetzt im Freudenberger 4FACHWERK-Museum zu sehen sind. Drei Gruppen von Exponaten hat die Limburger Künstlerin mit in den „Alten Flecken“ gebracht: Einmal sind es „informelle Werke“, bei denen der freie Umgang mit Farbe dominiert. Dann sind es Bilder, die „jeweils einen Spalt offen lassen“, wodurch Linie und Flächen besonders zum Ausdruck kommen. Und letztlich werden Zeichnungen von Cello-Spielern gezeigt, mit denen sie Augenblicke höchster Konzentration und Momente der Vertiefung in die Musik festhält.

Gerade diese Werke verdeutlichen den umfassenden künstlerischen Anspruch, den Irmlind Vormann an sich stellt und der über die Auseinandersetzung mit Form und Farbe weit hinaus geht.. So nahm sie selbst im letzten Sommer an einem Cello-Meisterkurs teil. „Ihre Werke sind verdichtete Empfindungen und Gedanken. Sie erschließen sich erst in vorurteilsloser Betrachtung“, so die Laudatorin Rosemarie Colpe zur Vernissage der Ausstellung „Im Wandel“. Eine Wertung, die 4FACHWERK-Vorsitzender Dieter Siebel in seinen Eröffnungsworten aufgriff: „Künstler sind diejenigen, die Unsichtbares und Emotionen sichtbar machen können“. Er freue sich, wenn viele Gäste sich diese beeindruckende Werkauswahl von Irmlind Vormann anschauen. Die Künstlerin ,1953 in Münster geboren, studierte dort wie auch an der Kunstakademie Düsseldorf.

Die Ausstellung ist mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr noch bis zum 31. Mai 2015 zu sehen. Den musikalischen Rahmen der feierlichen Eröffnung gestaltete wieder einmal Dominique Hindenberg mit seiner Jazz-Gitarre.