Archiv der Kategorie: Kreativwerkstatt

Quadratisch. Farbig. Kreativ.

„Farbenwelten“-Ausstellung im 4Fachwerk-Museum eröffnet

„Das ist doch einmalig. Einzelne Bilder, die im Quartett gleichwohl ein gemeinsames Motiv ergeben.“ Marli Bartling zeigte sich angetan von der Idee, die Angelika Brenner und die Mitwirkenden ihrer Malschule Ulrike Lenz, Martina Schiebe und Simone Dilling als Grundlage für ihre Ausstellung im Freudenberger 4Fachwerk-Museum wählten.

Die sachkundige Moderation durch Marli Bartling, die im Westerwald lebt und arbeitet, erwies sich als Glückgriff für die Ausstellungseröffnung im Alten Flecken. Der Kunst- und Kulturexpertin von Rang, selbst ausgebildet an den Kunstakademien Salzburg und Trier sowie als Studierende in Berlin und München, gelang es im Gespräch ausgesprochen einfühlsam und informativ die Gedanken der Malerinnen hinter der Textur ihrer Bilder herauszufiltern.

Gemeinsam in einem Atelier tätig, verständigen die sich auf eine Thematik, die dann sowohl im Muster wie in Materialien individuell ausgeführt wird. Nach diesem ersten Entstehungsprozess fügen sich die Werke in einem weiteren Schritt als Vierer-Format wieder zusammen.
Aufgeschreckt von der Umwelt-Vermüllung stellt ein Bilder-Kanon den Meeresboden in den Mittelpunkt. „Wir betrachten hier die Farbe Rot als Aufschrei, als Warnung,“ erläutert Angelika Brenner die gezielte Kolorierung.
Sie wird als langjährige Kunst-Dozentin vorgestellt, u.a. bei der VHS Kirchen tätig, deren berufliche Ausbildung als Technische Zeichnerin gewiss prägend sei. „Brenners künstlerische Handschrift besticht durch genaues Arbeiten und präzises Beobachten“, so Marli Bartling.

Ein anderer Zyklus der vier Malerinnen zeigt sich inspiriert durch das schöpferische Wirken des Expressionisten, Bauhaus-Pädagogen und Wegbereiter der abstrakten Kunst, Wassily Kandinsky (1866-1944). Auch hier fügen sich Einzelarbeiten mit unterschiedlichen Materialien wie Öl, Acryl und Kreide letztlich zu einer formalen quadratischen Einheit.
Das Korrosionsprodukt „Rost“ verleitete die Vier zu einem weiteren Kunst-Experiment. In Collage-Technik wird der Vergänglichkeit eine neue ästhetisch-plurale Dauerhaftigkeit verliehen.

Abgerundet wird die Ausstellung zusätzlich durch Portrait-Darstellungen und eine Bildreihe „Schmetterlinge“. Bartling: „Eine Handwerklichkeit, die man erst einmal können muss.“

Nach der offiziellen Eröffnung durch den 4Fachwerk-Vorsitzenden Dieter Siebel konnten die Gäste die Werke eingehend im Detail betrachten. Der obligatorische Mund-Nasenschutz der inzwischen Corona-konditionierten Museumsgäste stand dem intensiven Kunst-Dialog nicht im Weg. Für viele war dies nach langer Pandemie-Auszeit wieder ein erster Ausstellungsbesuch: „Hoffentlich bleiben die Werte unten, damit Kultur wieder leben kann,“ so der vielfach gehörte Wunsch an diesem Abend.
Die Ausstellung ist bis zum 8. August 2021 zu sehen. Der Eintritt beträgt 3 Euro. Sonderführungen sind nach Absprache möglich. 

Das „Schmunzeln in den Bildern“ entdecken

Ursel Decker präsentiert die Vielfalt ihres künstlerischen Wirkens in Freudenberg

Es wurde ein langer Abend im Museum. Viel Zeit nahm sich Ursel Decker für das Gespräch mit den Besuchern. Und diese zeigten sich von der Persönlichkeit der Künstlerin, ihrer offenen Zugewandtheit zu den Menschen sowie von ihren ansprechenden Werken angeregt und beeindruckt. „Kunst hält offensichtlich jung.“

Ursel Decker, 1945 in Anzhausen geboren, die heute in Netphen lebt, sieht sich künstlerisch „familiär vorbelastet“. Ihre Fähigkeiten wurden gefördert, ihr Interesse gestärkt und ihr etwas zugetraut. Später war ihr eine fundierte künstlerische Ausbildung eine Herzensangelegenheit. Sie besuchte die Fachschule für Malen und Zeichnen in Siegen, ließ sich von Theo Meier-Lippe wie Siegfried Vogt inspirieren und ausbilden. Später gewinnt sie künstlerische Weiterentwicklung aus zahlreichen Jahren als Gasthörerin im Fachbereich Kunst der Universität Siegen.

Zur Ausstellungseröffnung konnte das Museum die zahlreichen Besucher kaum fassen. Ursel Decker und ihr Künstlerkollege Kurt Wiesner (Neunkirchen) hatten sich anlässlich der Vernissage zu einem „Künstlerdialog“ verabredet. Es ergab sich ein informatives, feinsinniges Gespräch mit Tiefgang, dass die Gäste offensichtlich genossen. Ebenso sorgten die Querflöten-Interpretationen von Jan Backhaus aus Attendorn, dort selbst Künstler wie Musiker, für großen Beifall.

Kurt Wiesner empfindet die Decker-Exponate als farbig und fröhlich, verschmitzt, dennoch hintergründig. Auch 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel, der für die Begrüßung und offizielle Eröffnung zuständig war, und ebenso auf eine Erfahrung als Meier-Lippe-Schüler zurückblicken kann, würdigte das „Schmunzeln in den Bildern“ von Ursel Decker als ganz eigenen visuellen Reiz.

Die Werke sind bis zum 1. März 2020 in Freudenberg zu sehen. Wer Ursel Decker noch einmal persönlich kennenlernen möchte, kann sie zu einer Sonderführung am Sonntag, 2. Februar 2020 ab 15:00 Uhr zu einer Sonderführung im Museum treffen.

Singen in mitten einer Ausstellung

Gemeinsames Musizieren im 4Fachwerk-Museum

Die vielen Besucher im 4Fachwerk-Museum erlebten ein zweigeteiltes Konzert. Am Beginn standen Solo-Vorträge der in Freudenberg lebenden belgischen Sopranistin Irene Carpentier.
So traf ihr musikalischer Vortrag „Im Abendrot“, von Franz Schubert 1825 komponiert, genau die sommerabendliche Stimmung. „Wenn das Rot, das in der Wolke blickt, in mein stilles Fenster sinkt!“, heißt es in dem Text. Eine passende Beschreibung der Atmosphäre im 4Fachwerk-Museum, durch dessen viele Sprossenfenster letzte Sonnenstrahlen auf ein begeistertes Publikum trafen.
Dr. Ingrid Leopold, 4Fachwerk-Vize-Vorsitzende hatte die Gäste zum doppelten Kunstgenuss begrüßt: Singen inmitten einer Ausstellung.

Sie wurden durch eine hervorragende Solo-Sängerin unterhalten, die zum Beispiel „Sonntag“ von Johannes Brahms in unvergesslicher Weise darbot und zugleich durch ein professionell angeleitetes Mitsingen den Erfolg des Abends sicherte. Bekannte Lieder wie „Wer recht in Freuden wandern will“, „Wohlauf in Gottes schöne Welt“, „Im schönen Wiesengrunde“, wie auch stillere Motive in „Abend wird es wieder“ oder der Kanon „Abendstille überall“ und „Dona nobis pacem“ wurden von den mitsingenden Gästen leidenschaftlich aufgenommen.

„Es war ein bewegender und ganz besonderer Abend“, äußerten sich Museums-Gäste am Schluss. Mit „Das Veilchen“, ein nachdenkliches Goethe-Gedicht von 1774, das Mozart 1785 vertonte, bildete den mit viel Beifall bedachten Schlusspunkt der gefragten Konzertsängerin Irene Carpentier, die selbst am Klavier den gemeinsamen Gesang begleitete.

Vorstellung Altstadt-Brand

Am Dienstagabend hatten wir wieder volles (Fachwerk)Haus. Neben der Vorstellung des Flecker Altstadt-Brands – übrigens sehr lecker 😉 – durch Friedhelm Geldsetzer, weihte unser Vorsitzender Dieter Siebel auch seine Ausstellung zum Thema Brandmalerei ein.

Zeitgleich führte Gottfried Theis interessierte Besuche durch die aktuelle stadtgeschichtliche Ausstellung „Ein fast unlöschlich Feuer“, die noch bis Sonntag 21. August zu bewundern ist.

Ausstellungseröffnung „Brandmalerei aus Freudenberg“

Dienstag, 16. August 2016, 19:30 Uhr
4Fachwerk Mittendrin Museum
Mittelstraße 4-6 in 57258 Freudenberg

Ausstellungseröffnung mit Dieter Siebel
(Kunstgewerbliche Werkstätte Siebel)

Seit 1925 wird in der Freudenberger Werkstätte Siebel das Kunsthandwerk der Holz-Brandmalerei gepflegt, international auch als Pyrographie bezeichnet. Dieter Siebels Vater, im Flecken als „Sprüche-Walter“ bekannt, führte das kleine Unternehmen schon zu überregionalem Ruf. Spruchweisheiten wurden auf Holztafeln gebrannt, Generationen von Mädchen und Jungen erhielten ihren Konfirmationsspruch als Holzbrandmalerei, viele Familienwappen sowie Erinnerungsteller für Feuerwehr-Aktive sind in Jahrzehnten als Unikate mit künstlerischem Wert entstanden.

Im Kreativ-Keller des 4Fachwerk-Mittendrin-Museum werden in der Zeit vom 16. August 2016 bis zum 25. September 2016 besondere Beispiele und Exponate aus der Werkstätte Siebel gezeigt, aber auch Fotos und Katalogseiten aus deren Gründerzeit. Seit 1970 führt nun Dieter Siebel die älteste Brandmalerei in Deutschland. Pyrographische Kunst mit einer Tradition seit 1885 in Freudenberg bereichert so das Erinnerungsjahr an den Stadtbrand von 1666.