Archiv der Kategorie: Uhrentradition

US-Besucher in der 4Fachwerk-Uhrenausstellung

1848 wanderten die Vorfahren von Troy Meinhard von Siegen in den mittleren Westen Amerikas nach Illinois aus. Sein Urahn ging einst in der Krönchenstadt dem Beruf des Müllers nach. Nachdem sie sich dann 1870 im US-Bundesstaat Iowa niedergelassen hatten, kam eine Standuhr in die Familie. „Mit dem Tausch war eine Schuld beglichen worden,“ ist in der Meinhard-Familie überliefert.

Diese historische Uhr, hergestellt einst von Dietrich Koch in Stromberg im Windecker Land, begründete das Interesse der Meinhards an „clockmakers“ in der alten Heimat. Ihre Uhr wurde stolz von Generation zu Generation weitergegeben.

Auf ihrer Europareise, von Valencia in Spanien kommend, meldete sich die Familie bei Klaus Siebel-Späth vom Freudenberger 4Fachwerk-Museum. Diese hatten recherchiert, dass sich hier eine bemerkenswerte Ausstellung zur Siegerländer Standuhren-Tradition befindet. Gerne wurde ein Termin für den Besuch im Alten Flecken vereinbart. Troy Meinhard mit seiner Frau Janet, der Tochter Kate und seinen Eltern Kris und Dory staunten nicht schlecht über die Fülle von Informationen, die ihnen hier geboten wurde. Denn mit dem bekannten Uhrenhistoriker Ian Fowler, der dem 4Fachwerk-Museum eng verbunden ist, stand ihnen ein Experte Rede und Antwort, der selbst zu Uhren-Museen in den USA bewandert ist und einige dort bereits besuchte.

„Nach der Erfindung der Bodenstanduhr Ende des 17. Jahrhunderts in Holland und England hielten diese Mitte des 18. Jahrhunderts Einzug in die hiesige Region. Im Bergischen Land, im Raum Neuwied, dem Sauer- und Siegerland entwickelten sie sich zum begehrten Objekt des Bürgertums,“ erläuterte Fowler. 

Neuwied könne als Uhrenzentrum bezeichnet werden. Dort, bei Meister Christian Kintzing habe zum Beispiel der 1731 in Marienborn geborene Hermann Achenbach seine Ausbildung erhalten. Und Achenbachs Vetter Hermann Spies aus Gosenbach habe zwei Söhne gehabt (Johann Georg 1748-1795, Johann Henrich 1751-1815), die dann beide als Uhrmacher in Siegen ihrem Handwerk nachgingen. Bei Johann Georg Spies begann 1774 Johann Peter Stahlschmidt (1751-1833) seine Lehre.

Die Sammlung in Freudenberg beschränkt sich nicht nur auf diesen später so bekannten Flecker Uhrmacher, sondern würdigt die regionalen Uhrmacher des Siegerlandes insgesamt. In Freudenberg übernahm 1827 Sohn Tillmann Stahlschmidt von seinem Vater Johann Peter die kleine Manufaktur. Dessen Enkel, Ewald Krämer (1863-1938), den die Flecker mit dem Hausnamen „Ticktack“ belegten, wirkte in seiner Werkstatt in der Oranienstraße 5. Ein weiterer Uhrmacher, Georg Friedrich Klein, so wusste Ian Fowler zu berichten, kam 1888 aus Worms zu Wilhelm Müller, heiratete später die Witwe Haas, erstellte das Gebäude des Hotel Moritz in der Oranienstraße, in dem er seitlich sein Uhrmachergeschäft einrichtete. Er pflegte die zahlreichen Standuhren in der Region und führte darüber penibel Buch.

Insgesamt entwickelte sich ein hochinteressantes Fachgespräch, wofür sich die amerikanischen Gäste herzlich bedankten. Tory Meinhard hatte in seiner Jugend in Bonn studiert. Er und seine Familie sind derzeit bei einem Freund in Bad Godesberg zu Gast. Ihren Tagesausflug ins Siegerland nutzen sie zudem, um sich das internationale Baudenkmal „Alter Flecken“ eingehend anzuschauen. „Wir freuen uns immer wieder, welch großes Interesse unsere Uhrensammlung überregional findet,“ so Klaus Siebel-Späth. „Hierfür öffnen wir gerne auch zu Sonderführungen.“ Die Begeisterung für die alte Technik stecke einfach an. Ein großer Dank gelte Ian Fowler, von dessen Wissen die Ausstellung so außerordentlich profitiere.

Das neue Zuhause der Uhrenabteilung feierlich eingeweiht

Dr. Ingrid Leopold, 4Fachwerk-Vize-Vorsitzende, zitierte am Schluss der kleinen Feierstunde zur Eröffnung der neuen Uhrenetage den Dichter Carl Loewe (1796-1869). Der hatte seine Wertschätzung für die Uhr formvollendet in Gedichtform gebracht: „Ich wollte, sie wäre rascher gegangen an manchem Tag; Ich wollte, sie hätte manchmal verzögert den raschen Schlag. In meinen Leiden und Freuden, in Sturm und in der Ruh, was immer geschah im Leben, sie pochte den Takt dazu.“

Seit einer Vielzahl von Wochen hatten Handwerker den Takt im Dachgeschoss des Museums vorgegeben. Jetzt konnte die neu gestaltete Uhrenpräsentation der Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Handwerk trifft Kunst“, formulierte Bürgermeisterin Nicole Reschke in ihrem Grußwort. Sie erinnerte daran, dass „Zeit“ in der „Alice im Wunderland-Welt“ eine große Rolle spiele. Aber die Zeit sei nicht nur ein Dieb, sondern Uhren könnten auch ausdrücklich das Gefühl vermitteln, Zeit zu haben, Ruhe auszustrahlen. Dass habe sie selbst im gemütlichen Zimmer ihrer Großeltern in Plittershagen mit deren Standuhr erlebt. „Johann Peter Stahlschmidt gehört zur Freudenberger Stadtgeschichte,“ urteilt Reschke über den berühmten Uhrmacher mit Plittershagener Wurzel. Sie sei sehr froh, dass dessen Erbe vom 4Fachwerk-Museum bewahrt werde.

Klaus Siebel-Späth, der das Projekt „Uhrenabteilung“ für das Museum betreut, schilderte den Ausgangspunkt der ersten Überlegungen zum Umbau. Im Jahr 2018 habe 4Fachwerk eine weitere Stahlschmidt-Uhr geschenkt bekommen, die inzwischen in Garmisch-Patenkirchen gelandet war, und ursprünglich aus dem Haus des Freudenberger Arztes Jacob Utsch (1824-1901) stammt.

„Wir haben ein Platzproblem“ so die damalige Analyse. Unter den 4Fachwerk-Mitgliedern befand sich der Ausstellungs-Designer Kasimir Zembala, der mit einem Modell die Neugestaltung visualisierte. Daraus wurden konkrete Pläne entwickelt und 2022 gelang es dem Museum aus dem Programm „Neustart Kultur – Pandemiebedingte Investitionen für Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der Kulturlandschaft“ eine Förderung zu erhalten. Rund 45 Tausend Euro investierte der Verein in die Ausstellungs-Optimierung und erhielt dafür einen Zuschuss von 85 Prozent. „Wir haben Themenräume in der Ausprägung ihrer jeweiligen Zeit gestaltet,“ so Siebel-Späth. Diese Stilrichtungen entsprechend der Entstehungszeit der Standuhren, beginnend im Barock, übergehend zum Biedermeier und endend im Jugendstil. Sowohl Lehmputz wie Tapeten der Zeitepochen wurden für die Nischen genutzt. Eine weitere Neuerung: „Wir haben jetzt alle Informationen zu den Uhren digital aufbereitet. Bilder und Texte können über einen Touch-Screen-Bildschirm in der Ausstellung aufgerufen werden.“ Außerdem wurde die Beleuchtungstechnik vollkommenen erneuert.

Einen interessanten Einstieg in die Forschung der Bodenstanduhren bot Ian Fowler, der dem Museum als Uhrenhistoriker seit vielen Jahren verbunden ist. „Er kennt jede Uhr wie ein Großvater seine Enkel“, hatte 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel ihn launig in seiner Begrüßung vorgestellt.

Fowler stellt klar: „Die Sammlung hier soll nicht nur Stahlschmidt in den Mittelpunkt stellen, sondern die regionalen Uhrmacher des Siegerlandes insgesamt würdigen.“ Nach der Erfindung der Bodenstanduhr Ende des 17. Jahrhunderts in Holland und England hat der Einzug in diese Region Mitte des 18. Jahrhunderts gehalten. Im Bergischen Land, im Raum Neuwied, dem Sauer- und Siegerland seien solche als Uhren für das Bürgertum dann entstanden. Die Arbeiten der Meister Achenbach in Neuwied, Spies in Siegen oder Stahlschmidt in Freudenberg seien von ihrem Werk, dem Gehäuse und dem Zifferblatt sehr ähnlich und hätten ihren Ursprung in Neuwied.

Das Besondere zu Stahlschmidt sei, dass man viel über ihn wisse, maßgeblich sei ein Artikel von Otto Bäumer, den dieser 1927 verfasst habe. Zu den weiteren bedeutenden Uhrmachern in der Umgebung zählt Fowler Johann Heinrich Graef und Friedrich Müller in Freudenberg, Johann Justus Brücher und Richard Becher in Hilchenbach, sowie Hensel in Niederfischbach und Gebrüder Schmidt in Siegen.

Einen interessanten Aspekt bot Fowler mit seinem Blick auf die fast vergessene Uhrenfabrik „Actien-Gesellschaft für Uhrenfabrikation in Deuz, vorm. Gebr. Jung & Co.“. Die Firma stellte maschinell Uhrenköpfe und Regulatoren her und beschäftigte in ihren besten Zeiten in Siegen 15 und in Deuz 95 Mitarbeiter. Bei der Industrieausstellung in Kassel 1870 soll dort für den preußischen König ein solcher „Regulator“ gekauft worden sein. Die Qualität muss überzeugt haben, denn dann durfte das Unternehmen die Postämter der preußischen Verwaltung mit „Amtsuhren“ beliefern. Leider war der Erfolg nicht von Dauer, die AG musste 1882 Konkurs anmelden. Zwei der erhaltenen Uhren aus der Deuzer Uhrenfabrik sind ebenso im 4Fachwerk-Museum zu sehen.

Damit endete maßgeblich die Uhrenherstellung im Siegerland. In Freudenberg übernahm 1827 Sohn Tillmann von seinem Vater Johann Peter Stahlschmidt die kleine Manufaktur. Dessen Enkel, Ewald Krämer (1863-1938), den die Flecker mit dem Hausnamen „Ticktack“ belegten, wirkte in seiner Werkstatt in der Oranienstraße 5. Ein weiterer Uhrmacher, Georg Friedrich Klein, so weiß Ian Fowler zu berichten, kam 1888 aus Worms zu Wilhelm Müller, heiratete später die Witwe Haas, erstellte das Gebäude des Hotel Moritz in der Oranienstraße, in dem er seitlich sein Uhrmachergeschäft einrichtete. Er pflegte die zahlreichen Standuhren in der Region und führte darüber penibel Buch.

„Wir wollen unsere Ausstellung kontinuierlich verbessern,“ erklärte Fowler am Schluss seines Vortrages. Auf seiner Wunschliste stehen eine Spies-Bodenstanduhr, also ein Werk des Lehrmeisters von J. P. Stahlschmidt, und auch eine Uhr von Brücher aus Hilchenbach sowie authentisches Werkzeug aus der Zeit von Stahlschmidt. Klar ist für ihn: „Wir konzentrieren uns nur auf die Siegerländer Uhren.“

Anschließend hatten die vielen Gäste Gelegenheit, das neu gestaltete Dachgeschoss in Augenschein zu nehmen. Neben der Bürgermeisterin waren auch die Fraktionsvorsitzenden Christoph Reifenberger und Eric Stinner gekommen. Zu den Ehrengästen zählten ebenso Pfarrer Thomas Ijewski und der Hilchenbacher Historiker Gerd Schäfer, der das 1982 eröffnete Stadtmuseum einst konzipiert und auch eine kurze Zeit lang geleitet hatte. Der Dank an diesem Abend galt zudem einerseits den anwesenden Handwerkern Schreiner Quandel und Maler Krafft und andererseits Helmut Langenbach, der regelmäßig die Uhren aufzieht und sie somit für die Besucher am Laufen hält.

Mit Freude wurde auch der Besuch von Christine Schütz registriert, die einst mit ihrem Vater die besondere Stahlschmidt-Janus Uhr auf Norderney entdeckt hatte und damit den Anstoß dazu gab, dass das Meisterwerk anschließend von der Freudenberger Sparkasse erworben werden konnte.

Uhren – Zeitzeugen von Technik und Geschichte

Vortragsabend mit Ian D. Fowler
Donnerstag, 14. November 2019, 18:30 Uhr

Das 4Fachwerk-Mittendrin-Museum beherbergt in seinem Dachgeschoss eine umfangreiche Sammlung der berühmten Stahlschmidt-Uhren.

Johann Peter Stahlschmidt (18. 07. 1751- 6. 10. 1833) aus Plittershagen gilt als Begründer der Freudenberger Uhrmacherkunst. Nach seiner Gesellprüfung 1777 begab sich Stahlschmidt auf die bei den Handwerkern übliche Wanderschaft. 1781, kehrte er nach Freudenberg zurück und legte im August 1785 seine Meisterprüfung ab.

Stahlschmidt baute 1798 die „komplizierteste erhaltene Siegerländer Uhr“, die heute noch im Freudenberger Museum zu bewundern ist. Sie zeigt durch zwei Zifferblätter die Zeit gleichzeitig in zwei Räumen an und ist deshalb unter dem Begriff „Janusuhr“ bekannt. Sie stand der Überlieferung nach in seinem Haus und galt offensichtlich als Normaluhr im Flecken, nach der also die Zeit der anderen Uhren eingestellt wurde. Die Uhr zeigt das Datum und die Mondphase an. Der Uhrenmeister blieb bis in sein 76. Lebensjahr seinem Handwerk treu, 1827 übergab er das Geschäft an seinen Sohn Tillmann Stahlschmidt.

2018 konnten sich die 4Fachwerk-Aktiven über den Neuzugang einer Stahlschmidt-Uhr freuen. Sie stammte aus dem Haus des Freudenberger Arztes Dr. Jacob Utsch (1824-1901) und blieb im Familienbesitz. Letzte Eigentümerin war Dr. Gudrun Leitner aus Garmisch-Patenkirchen, die schon zu Lebzeiten die Schenkung an das Museum verfügt hatte. Die Neuerwerbung, datiert 1829, wurde von Tillmann Stahlschmidt gefertigt. Das Werk wird mit älteren Werken von seinem Vater Johann Peter Stahlschmidt verglichen, inbesonders mit dem Werk der doppelseitigen Uhr von 1798, die neulich wieder überholt wurde.

Uhrenhistoriker Ian D. Fowler wird also diesmal mehr über die Technik der Stahlschmidt-Uhren referieren: Die eigentliche, handwerkliche Arbeit der Uhrmacher steckt hinter Zifferblatt und Gehäuse, so dass man es nur schemenhaft durch die kleinen seitlichen Glastürchen betrachten kann. Um die Kunstfertigkeit der Freudenberger Uhrmacher zu demonstrieren werden auch Vergleiche mit Werken anderer zeitgenössischer Uhrmacher vorgenommen. Obwohl man bis jetzt nicht weiß, wer die Gehäuse für diese Uhren baute, werden Bilder der verschiedenen Typen gezeigt.

Außergewöhnlicher Besuch im 4Fachwerk Museum

Außergewöhnliche Besucher waren heute im 4Fachwerk-Museum zu Gast: Die brasilianische Pianistin Patricia Vanzella hatte sich auf die Spuren ihrer Vorfahren begeben – und der war Johann Peter Stahlschmidt (1751-1833). Der berühmte Uhrmachermeister legte einst den Grundstein für die Freudenberger Uhrmacher-Tradition. Seine Werkstatt befand sich in der Oranienstraße 31, kurz entfernt vom Museum, in dem eine ganze Reihe seiner Uhren zu sehen sind.

Patricias Freudenberger Vorfahren sind Anton Stahlschmidt und dessen Sohn Johann Georg aus Antons erster Ehe, gefolgt von Johann Georgs Sohn, dem Prediger/Inspektor Tillmann Stahlschmidt.
Der Uhrenhistoriker Ian D. Fowler konnte vielen Fragen zu dem Vorfahren Johan Peter Stahlschmidt und zur Technik seiner Meisterwerke bewundern. Ein Team des WDR begleitete die mit ihrer Mutter von weit angereiste Besucherin für einen Bericht in der WDR-Lokalzeit. Patricia Vanzella zeigte sich überwältigt und außerordentlich dankbar, so hautnah ein Stück ihrer Familiengeschichte erfahren zu können.

Der Beitrag wurde am 31. August in der Lokalzeit gesendet und kann in der Mediathek des WDRs abgerufen werden.

4Fachwerk lädt zur Wanderung ein: „Uhrmacher-Weg“ im Alten Flecken

Der Freudenberger Alte Flecken wird mit Flair und Fachwerk verbunden. Das Siegerländer Denkmal in schwarz und weiß. Gemütlich und urig. Aber auch ein Uhrenviertel? Der Begriff überrascht. Aber er trifft zu. Denn in Freudenberg haben sich lange Zeit bedeutende und bekannte Uhrmacher niedergelassen. Der Ursprung der kleinen Uhrenmanufakturen dürfte bei Johann Peter Stahlschmidt (18. 07. 1751 – 6. 10. 1833) gelegen haben. Die Kontinuität der Uhrmacher überrascht und stellt eine besondere Facette in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Flecken Freudenbergs dar.

Einst gaben nur öffentliche Turmuhren oder Sonnenuhren den Menschen den Hinweis, „welche Stunde es denn geschlagen hat“. Einige Wenige nur konnten sich das Privileg einer eigenen Hausuhr leisten. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts wuchs aber der Wunsch des Bürgertums auch im Siegerland, selbst einen Zeitmesser zu besitzen. Die frühesten Uhren des Siegerlandes dürften wohl aus der um 1770 gegründeten Werkstatt des Johann Georg Spies (1747 – 1795) in Siegen stammen. Spies kommt auch deshalb eine Bedeutung zu, da bei ihm 1774 Johann Peter Stahlschmidt aus Plittershagen seine Lehre begann.

Das 4Fachwerk-Mittendrin-Museum erinnert an Stahlschmidt und seine handwerklichen Nachfolger. Der äußere Anlass dazu: Das ehemalige Wohnhaus, Oranienstraße 31, in dem Stahlschmidt auch seine Werkstatt unterhielt, wird in diesem Juli als „Denkmal des Monats“ vorgestellt.

Aber apropos „Uhrenviertel“. Wie ging es weiter?
Das soll in einer Wanderung am Samstag, den 15. Juli 2017, ab 16:00 Uhr erkundet werden. Treffpunkt ist das 4Fachwerk-Mittendrin-Museum in der Mittelstraße 4. Und soviel soll schon verraten werden: Die erste Station ist das Haus Oranienstraße 16, auch heute als „Hotel Moritz“ bekannt. Hier wirkte einst der Uhrmacher Georg Friedrich Klein (1866 – 1962), als Nachfolger von Uhrmacher Müller.

Dort, wo sich Oranien- und Färberstraße treffen, Oranienstraße 5, hatte einst der Uhrmacher Ewald Krämer (1863 – 1938), auch „Ticktack“ genannt, sein Domizil (heute Pafümerie Münker). Bergauf geht’s wieder die Oranienstraße hoch, der nächste Halt ist die Oranienstraße 31, also das Haus des Johann Peter Stahlschmidt (1751 – 1833), in dem früher die sogenannte Janusuhr stand, und nach der – so die Überlieferung – die Flecker ihre Uhren stellten (heute „Kebapzeria“). Johann Peter Stahlschmidt bildete hier auch seine Söhne Johann Eberhard und Tillmann als Uhrmacher aus. Ebenso dürfte hier der Lehrort für Johann Heinrich Gräff sowie Johann Friedrich Müller gewesen sein.

In Sichtweite befindet sich der Knotenpunkt von Krottorfer-, Markt- und Oranienstraße. Hier führte einst der Uhrmacher Adolf Haas (1903 – 1975) sein Geschäft, eben „Haas Knoten“, wo sich heute Gäste aus Nah und Fern im Weinlokal treffen. Adolf Haas war als passionierter Jäger bekannt, der die Hasenjagd liebte, womit der Hausname „Haas-Knoten“ eine doppelte Bedeutung besaß. Weiter oben an der Krottorferstraße liegt das Haus Nr. 40, direkt gegenüber dem alten Rathaus und lange Jahre als „Beels-Haus“ bekannt. Hier wirkte der Uhrmacher Johann Friedrich Müller (1813 – 1888), Auch dessen Sohn Wilhelm (*1850) arbeitete als Uhrmacher, der ältere Sohn Friedrich Müller (1841 – 1903) gründete später das gleichnamige Uhrengeschäft Müller (nachfolgend „Juwelier Müller“) in der Siegener Bahnhofstraße (wurde Ende April 2014 geschlossen).

Bei der nächsten Station, die Gaststätte „Zum Pinsel“, Marktstraße 27, handelte es sich früher im die ungewöhnliche Kombination von Zollstelle und Uhrmacherwerkstatt. Hier arbeitete Meister Johann Heinrich Gräff (1783 – 1860). Und im Nebenhaus, Marktstraße 25, befand sich die erste Wirkungsstätte des Uhrmachers Adolf Haas, der dann anschließend zum „Knotenpunkt“ verzog.

Also, mindestens acht mal Uhrmacher im Alten Flecken. Die Zusammenhänge stellt Ian D. Fowler dar, der beste Kenner der Freudenberger Uhrmacher-Tradition. Der Eintritt im Museum – mit der prägnanten Uhren-Ausstellung – beträgt 3,00 Euro.

Uhrmachertradition

Sie faszinieren als Zeitinstrumente und Alltagsmöbel: die historischen Standuhren im Obergeschoss. Die beredten Zeugen alter Siegerländer Handwerkstradition sind hier in einer bemerkenswerten Sammlung vereint.

Im Raum der Zeit Zeit finden, Zeitzeuge werden, den Takt der Zeit erleben. Nehmen Sie sich die Zeit für Zeit-Entdeckungen und Neues über die alte Zeit zu erfahren.