Alle Beiträge von Christian Berner

„Der Maler und die Ärztin“

Gedächtnisausstellung zu Ehren von Carl Jung-Dörfler eröffnet

Ölgemälde, Skizzen, Bleistift- und Kohlezeichnungen: Eine beeindruckende wie umfassende Werkschau des Siegerländer Malers Carl Jung-Dörfler (1879-1927) kann derzeit im Freudenberger 4Fachwerk-Museum besichtigt werden. Die Ausstellung stellte die Vize-Vorsitzende Dr. Ingrid Leopold zusammen und beschäftigte sich eingehend mit dem Lebensweg des Künstlers: „Jede freie Minute nutzte er, um zu malen, – um mit wenigen Bleistiftstrichen die Dorfschule, die Grube Eisern, seine Kumpel, Nachbarn beim sonntäglichen Gang zur Kirche nach Rödgen, sowie Kinder und Erwachsene aus seiner täglichen realen Lebenswelt bildlich darzustellen.“ Zunächst habe er niemanden getroffen, der sich seiner annahm, um ihn in technisch-handwerklicher und in künstlerisch-intellektueller Hinsicht zu fördern. Erst im Alter von 29 Jahren hätte er die Chance erhalten, an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf ein Studium aufzunehmen.

 

Eine große Gästeschar folgte gebannt der Darstellung von Ingrid Leopold, wie der Lebensweg von Carl Jung, der in Düsseldorf den Namenszusatz „Dörfler“ annahm, zu seiner späteren Frau führte: „Im Sommer 1912 begegnete er Hedwig Danielevicz. Eine Freundschaft entwickelte sich, doch es dauerte vier lange Jahre, bis der gläubige Katholik und die gedemütigte Jüdin, der sensible Maler und die vereinsamte Ärztin zueinander fanden.“ Hedwig Danielewicz war am 15. Dezember 1880 in Berlin in eine jüdische Familie mit 5 Kindern geboren. Schon früh war sie traumatisiert durch Diskriminierung und Antisemitismus. Sie fühlte sich oft ausgegrenzt. Auf Wunsch des Großvaters studierte sie nach Schulabschluss als eine der ersten Frauen in Deutschland das Fach Medizin.

Dr. Ingrid Leopold schilderte beeindruckend den schwierigen Weg der beiden, bis im Mai 1916 die standesamtliche und im Dezember dann die kirchliche Hochzeit stattfinden konnte. Der elfjährigen Ehe sei kein Glück beschieden gewesen: „Der Maler litt zunehmend an einer vermutlich genetisch bedingten Depression und suchte die Einsamkeit und Isolation. Der psychischen Isolierung folgte der körperlich schlechte Gesundheitszustand.“ Carl Jung-Dörfler starb dann am 1. September 1927 im Alter von nur 48 Jahren. Beigesetzt wurde er in seiner Heimat Obersdorf im Siegerland. Kurz nach seinem Tod fanden in Siegen und in Düsseldorf Gedächtnisausstellungen statt.

Ein bitteres Los betraf Hedwig Danielewicz selbst. Am 1. Oktober 1938 musste die jüdisch-stämmige Ärztin ihre Praxis in Düsseldorf schließen. Sie lebte fortan in bitterer Armut. Vom Schlachthof in Düsseldorf aus erfolgte am 9. November 1941 ihre Deportation in das Ghetto nach Minsk. Wann und wie sie dort umkam, ist nicht bekannt. Für Dr. Ingrid Leopold gehört Carl Jung-Dörfler zu den begabten Siegerländer Künstlern: „Wir wollen ihn durch die Präsentation der Bilder, die meist in Archiven verborgen sind, würdigen und ebenso an das tragische Schicksal seiner Frau Hedwig erinnern.“

Viel Beifall für ihre musikalische Umrahmung der Eröffnung galt dem Geschwisterpaar Marion (Viola da Gamba) und Julian Puchelt (Trompete). Intensiv nutzen die Gäste die Gelegenheit, sich die faszinierenden Kunstwerke anzuschauen, die angesichts der Lebensgeschichten des Ehepaares tief berühren.

Die Ausstellung kann bis zum 14. Januar 2018 jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr besichtigt werden. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

WDR in Freudenberg

Fast einen ganzen Tag lang drehte das Team um WDR-Redakteurin Katrin Römer in Freudenberg. Die Kölner Fernsehleute waren in den Flecken gekommen, um die Sendung „Lieblingsorte“ aufzunehmen. Für die Führung durch die Altstadt hatte sich 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel zur Verfügung gestellt. Einmal mehr konnte er seine Zuneigung zu seinem Geburtsort unter Beweis stellen und über viele Geschichten und Begebenheiten in der Fachwerkstadt berichten.

Treffpunkt war zunächst der KulTour-Backes. Hier staunte das Kölner Team nicht schlecht, auf eine japanische Reisegruppe zu stoßen, die ihre Begeisterung über den Flecken lautstark zum Ausdruck brachte. „Das ist ja Wirklichkeit und keine Kulisse“, so die Journalistin erstaunt beim Fotoblick nach der Kurpark-Besteigung .
Viele Winkel und jeweils kleine Lieblingsort galt es anschließend „im Flecken“ unter die Lupe zu nehmen. Und der Zufall steuerte außergewöhnliche Begegnungen bei: Dass eine Reitergruppe in den Gassen fotogerecht unterwegs ist, zählt dazu, wie eine Pilgergruppe aus Leipzig, die den Flecken als besinnlichen Ort wahrnahm. Nun sind alle gespannt, was aus der Fülle von Material demnächst im Rahmen von „Hier und Heute“ gesendet wird. 
 
 

LECKER(ER) FLECKER ADVENTSKALENDER

Advent ist die Zeit der Vorfreude: Weihnachten wird erwartet. Eine weitere Vorfreude zeigt sich bei Vielen darin, morgens ein Türchen ihres Adventskalenders öffnen zu können, um damit die Tage bis zum 24. Dezember zu zählen. Ein kleines, liebgewonnenes Ritual im Dezember.

Der Museumsverein 4Fachwerk Freudenberg bietet in diesem Jahr einen besonderen Adventskalender an. Er zeigt als Motiv den leicht verschneiten, vorweihnachtlichen Alten Flecken. Gefüllt sind die Fächer hinter den 24 Türchen mit leckerer Schokolade.

Eine ideale kleine Aufmerksamkeit, um sich wie Verwandten und Bekannten im nahen und fernen Umkreis eine Freude zu bereiten: Advent in Freudenberg. Der Kalender ist für 7,50 Euro im Museum erhältlich. Ein kleiner Überschuss unterstützt den Verein beim ehrenamtlichen Erhalt des Museums im Alten Flecken.

Der Kalender wird zu unseren Öffnungszeiten verkauft: Mi, Sa, und So. 14.00 bis 17.00 Uhr.

Sonderführung Artverwandt

SONDERFÜHRUNG DURCH DIE
AUSSTELLUNG „ARTVERWANDT“
Termin: Samstag, 21. Oktober 2017, 16:00 Uhr

Vera Becker, eine der beiden Künstlerinnen, deren Werke gerade im 4Fachwerk-Mittendrin präsentiert werden, wird am kommenden Samstag persönlich durch ihre Ausstellung führen.
Hierzu lädt der Museumsverein für den 21. Oktober 2017, um 16:00 Uhr in das Museum im Alten Flecken.

Die Kreuztalerin, die mit einer ganz besonderen Maltechnik arbeitet, wird erläutern, wie ihre Kunstwerke entstehen und welche Ideen sie mit ihren Farb- und Formkompositionen verbindet.
Ihre Tochter Melanie Becker-Hoffmann arbeitet in der Grundstruktur verwandt, sucht mit Fäden in ganz unterschiedlicher Weise ihren Objekten eine zusätzliche Dimension in der Gestaltwirkung zu geben.

Vera Becker freut sich auf den Dialog. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

Lechtstonn mit Dieter Siebel und Bodo Hoffmann am 8. November 2017

Eine „Lechtstonn“ mit Dieter Siebel und Bodo Hoffmann
Wieder Erzählabend über „dit on dat“ im 4Fachwerk-Museum

Die geruhsame Zeit in der Abenddämmerung fand im Flecken die Bezeichnung „Lechtstonn“. Diese gab die Gelegenheit, weil es nicht mehr hell genug für die Arbeit war, sich in der Nachbarschaft oder Familie zu treffen, sich über die Neuigkeiten des Tages auszutauschen oder einfach Geschichten zu erzählen.

Die Tradition der „Lechtstonn“ greift jetzt das 4Fachwerk-Museumverein zum dritten Male auf und lädt erneut zu einem munteren Gesprächsabend ein.
Dieser wird am Mittwoch, den 8. November 2017, um 17:30 Uhr im Museum, Mittelstraße 4-6, stattfinden.
Dieter Siebel geht es dabei um „dit on dat“, um kleine Geschichten und Begebenheiten, an die er sich selbst aus Kinderzeiten erinnert oder die er aus der Überlieferung kennt. Unterstützt wird er diesmal dabei von Bodo Hoffmann, der vor einigen Jahren die von ihm gesammelten Flecker Anekdoten in einem kleinen Buch zusammenstellte: Seje moal ahn!

Wer sich also „alte Geschichten“ anhören möchte oder auch selbst noch interessante oder typische Geschehnisse aus Freudenberg und seinem Umland berichten kann, ist zu diesem Abend sehr herzlich eingeladen.

Der Einritt beträgt 3 Euro, die Ausstellungen im Museum können dabei besichtigt werden.

 

EIGENART-VERWANDT – „berührend kreativ“

Mit Burkhard Leismann, dem Direktor des Kunstmuseums Ahlen, hatten Vera Becker und ihre Tochter Melanie Becker-Hoffmann einen prominenten wie kenntnisreichen Moderator für ihre Ausstellungseröffnung in Freudenberg gewinnen können.

Beide Künstlerinnen seinen zwar familiär und in ihrem Tun verwandt, doch sie verwirklichten sich in sehr eigenständigen Positionierungen. Gemeinsam zeichneten sich ihre Werke durch eine intensive malerische Wirkung wohltuend aus. „Ihre visuellen Botschaften berühren den Betrachter“, zeigte sich Leismann überzeugt. Wenngleich von einem einheitlichen Basisaufbau ihrer Werke auszugehen sei, zeuge der jeweilige künstlerische Fortschritt doch von ausgesprochenen Individualitäten. Sein Credo: „Der Titel „Eigenart-verwandt“ ist treffender als Artverwandt“

Ausführlich schildert Leismann den Werdegang der beiden Künstlerinnen. Sie seien einem starken inneren Ruf gefolgt, am Beginn hätte keine akademische Ausbildung gestanden. Darin unterstellt der Museumsdirektor einen Vorteil: „Ihre künstlerischen Produkte tragen eine sehr persönliche Handschrift, ihre eigenen Seelen sind implementiert, alles ist authentisch, Ausdruck eines Reifeprozesses.“

Viele berühmte Künstler seien Autodidakten, befreit vom Mainstream besonderer „Denkschulen“. Leismann: „Das ist kein Makel, sondern sehr ehrlich, sehr positiv.“

In den Werken von Vera Becker sieht er einen ganz individuellen, ureigenen Schaffungsakt, der im experimentellen Austausch von Materialien wachse. So würden poetische, lyrische Bilderwelten entstehen. „Es sind Dokumente des Lebens, der Lebenswege.“ Die Leidenschaften künstlerischen Handelns würden unverfälscht wiedergegeben. Er sei beeindruckt von dieser ästhetischen Kunst, die sensibelste Momente der Wahrnehmung zuließen.

Bei Melanie Becker-Hoffmann stellt er den Charakter ihrer Werke als „Überzeichnung, ohne eine Zeichnung zu sein“ dar. Die kraftvollen Materialkollagen beeindruckten, sie führten zu einer visuellen wie haptischen Wahrnehmung. „Es sind aufregende Hingucker“, so sein Lob. Dass zunehmend Glas bei der ausgebildeten Glasgestalterin eine Rolle bei ihren künstlerischen Arbeiten spiele, sei nur verständlich. Diese Materialcollagen seien in ihrer Entwicklung ein sehr wichtiger Gestaltungsfortschritt. Die farbigen Grundierungen verbunden mit farbigen Stoffbändern und Textilfäden empfinde er als „drunter und drüber Seherlebnis“.

„Die Exponate von Mutter und Tochter verbindet die Ausstrahlung von Leidenschaft und Freude am Gestalten“, findet der Ahlener Kunstexperte. Hier zeige sich ein großes Kreativpotential. Insofern wünsche er sich viele Besucher für diese Gemeinschafts-Ausstellung.

Ausgesprochen zahlreich waren bereits die Eröffnungsgäste erschienen, die 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel im Museum mitten im Alten Flecken begrüßen konnte. Und der Wunsch wie das Angebot, sich intensiv mit beiden Künstlerinnen auszutauschen, wurde intensiv und gerne genutzt.

Die Ausstellung ist bis zum 19. November zu sehen. Das Museum ist mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.