Am Sonntag, 13. September, öffnen bundesweit wieder zahlreiche historische Orte zum „Tag des offenen Denkmals“ ihre Türen. Auch das 4Fachwerk-Museum im Freudenberger Alten Flecken ist dabei und lädt Besucherinnen und Besucher von 14:00 bis 17:00 Uhr bei freiem Eintritt zu einem Rundgang ein.
Zu entdecken gibt es im Kunstforum die aktuelle Ausstellung „KUCK MAL KUNST“ der Siegener Künstlerin Anne Freudenberger.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die neu gestaltete Uhrenetage. Dort rückt Johann Peter Stahlschmidt (18.07.1751–06.10.1833) in den Mittelpunkt, einst im Flecken ansässiger Meister, der die Uhrentradition in Freudenberg und im Siegerland maßgeblich prägte. Martin Quandel empfängt hier die Gäste und kann anschaulich Wissenswertes vermitteln.
„Ein Besuch im Museum eröffnet nicht nur spannende Einblicke in die Präsentationen, sondern auch besondere Perspektiven auf die Atmosphäre der eng aneinander stehenden Häuser in der Altstadt“, sagt 4Fachwerk-Vorsitzender Klaus Siebel-Späth.
Der Verein betreut das Museum seit 2014 ehrenamtlich, um es als einen lebendigen Ankerpunkt für Kunst, Kultur und Geschichte im Alten Flecken zu erhalten.
1848 wanderten die Vorfahren von Troy Meinhard von Siegen in den mittleren Westen Amerikas nach Illinois aus. Sein Urahn ging einst in der Krönchenstadt dem Beruf des Müllers nach. Nachdem sie sich dann 1870 im US-Bundesstaat Iowa niedergelassen hatten, kam eine Standuhr in die Familie. „Mit dem Tausch war eine Schuld beglichen worden,“ ist in der Meinhard-Familie überliefert.
Diese historische Uhr, hergestellt einst von Dietrich Koch in Stromberg im Windecker Land, begründete das Interesse der Meinhards an „clockmakers“ in der alten Heimat. Ihre Uhr wurde stolz von Generation zu Generation weitergegeben.
Auf ihrer Europareise, von Valencia in Spanien kommend, meldete sich die Familie bei Klaus Siebel-Späth vom Freudenberger 4Fachwerk-Museum. Diese hatten recherchiert, dass sich hier eine bemerkenswerte Ausstellung zur Siegerländer Standuhren-Tradition befindet. Gerne wurde ein Termin für den Besuch im Alten Flecken vereinbart. Troy Meinhard mit seiner Frau Janet, der Tochter Kate und seinen Eltern Kris und Dory staunten nicht schlecht über die Fülle von Informationen, die ihnen hier geboten wurde. Denn mit dem bekannten Uhrenhistoriker Ian Fowler, der dem 4Fachwerk-Museum eng verbunden ist, stand ihnen ein Experte Rede und Antwort, der selbst zu Uhren-Museen in den USA bewandert ist und einige dort bereits besuchte.
„Nach der Erfindung der Bodenstanduhr Ende des 17. Jahrhunderts in Holland und England hielten diese Mitte des 18. Jahrhunderts Einzug in die hiesige Region. Im Bergischen Land, im Raum Neuwied, dem Sauer- und Siegerland entwickelten sie sich zum begehrten Objekt des Bürgertums,“ erläuterte Fowler.
Neuwied könne als Uhrenzentrum bezeichnet werden. Dort, bei Meister Christian Kintzing habe zum Beispiel der 1731 in Marienborn geborene Hermann Achenbach seine Ausbildung erhalten. Und Achenbachs Vetter Hermann Spies aus Gosenbach habe zwei Söhne gehabt (Johann Georg 1748-1795, Johann Henrich 1751-1815), die dann beide als Uhrmacher in Siegen ihrem Handwerk nachgingen. Bei Johann Georg Spies begann 1774 Johann Peter Stahlschmidt (1751-1833) seine Lehre.
Die Sammlung in Freudenberg beschränkt sich nicht nur auf diesen später so bekannten Flecker Uhrmacher, sondern würdigt die regionalen Uhrmacher des Siegerlandes insgesamt. In Freudenberg übernahm 1827 Sohn Tillmann Stahlschmidt von seinem Vater Johann Peter die kleine Manufaktur. Dessen Enkel, Ewald Krämer (1863-1938), den die Flecker mit dem Hausnamen „Ticktack“ belegten, wirkte in seiner Werkstatt in der Oranienstraße 5. Ein weiterer Uhrmacher, Georg Friedrich Klein, so wusste Ian Fowler zu berichten, kam 1888 aus Worms zu Wilhelm Müller, heiratete später die Witwe Haas, erstellte das Gebäude des Hotel Moritz in der Oranienstraße, in dem er seitlich sein Uhrmachergeschäft einrichtete. Er pflegte die zahlreichen Standuhren in der Region und führte darüber penibel Buch.
Insgesamt entwickelte sich ein hochinteressantes Fachgespräch, wofür sich die amerikanischen Gäste herzlich bedankten. Tory Meinhard hatte in seiner Jugend in Bonn studiert. Er und seine Familie sind derzeit bei einem Freund in Bad Godesberg zu Gast. Ihren Tagesausflug ins Siegerland nutzen sie zudem, um sich das internationale Baudenkmal „Alter Flecken“ eingehend anzuschauen. „Wir freuen uns immer wieder, welch großes Interesse unsere Uhrensammlung überregional findet,“ so Klaus Siebel-Späth. „Hierfür öffnen wir gerne auch zu Sonderführungen.“ Die Begeisterung für die alte Technik stecke einfach an. Ein großer Dank gelte Ian Fowler, von dessen Wissen die Ausstellung so außerordentlich profitiere.
Am 22. Mai 2026 feiert ein Flecker Original seinen 90. Geburtstag: Karl-Wilhelm Stahl – er kämpft zwar seit einiger Zeit mit gesundheitlichen Einschränkungen und ist nicht mehr so gut zu Fuß, doch seine Leidenschaft für die Geschichte Freudenbergs ist ihm bis ins hohe Alter erhalten geblieben.
Als 1956 bei Grabungen im Gambachtal die Reste eines freistehenden Schmelzofens entdeckt wurden, war sein Interesse für frühgeschichtliche Funde geweckt. Folgerichtig verfasste „KW“, wie er oft genannt wird, viele Jahre später, 2006, für die große Freudenberg-Chronik von Bernd Steinseifer das Kapitel über die Vor- und Frühgeschichte sowie die Bodenfunde.
Das Thema hatte ihn nicht losgelassen, was auch die Stadt Freudenberg bewog, ihn 1981 angesichts seines fundierten Wissens zu ihrem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger zu ernennen. Über Jahre sammelte er vor Ort überdies Funde, so auch Wandscherben, die Experten der Bodendenkmalpflege (Westfälisches Amt für Archäologie, Außenstelle Olpe) de m 7. Jahrhundert, also der Merowinger-Zeit, zuordnen.
Immer wieder widmete er sich mit Artikel in der Heimatzeitschrift „Freudenberg im Zeitgeschehen“ historischen Themen und zeitgeschichtlichen Beobachtungen.
Seit vielen Jahrzehnten fühlt sich Karl-Wilhelm Stahl dem Freudenberger Heimat- und Verschönerungsverein verbunden, 2014 zählt er zu den Gründungsmitgliedern des 4Fachwerk-Museums-Vereins.
Im früheren Stadtmuseum traf er oft mit dessen damaligen Leiter Martin Stücher oder Stadtarchivar Detlef Köppen zusammen, um sich über neue Forschungsergebnisse auszutauschen oder mit seinen persönlichen Erkenntnissen Hinweise zu geben. Bei vielen regionalgeschichtlichen Themen, die durchaus kontrovers bewertet werden, gehört er zu den eifrigen Mit-Diskutierenden. 2011 ehrte ihn die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine mit der Verleihung ihrer Ehrennadel.
Karl-Wilhelm Stahl verbrachte seine beruflichen Jahre als Schuhmacher im Alten Flecken. Die bekannte Schuhmacherei Stahl fand ihren Ursprung 1929 in der Poststraße 10, eine Schuhhandlung eröffnete die Familie 1935 im jetzigen Wohnhaus von K.W. Stahl in der Oranienstrasse 27.
Bei einem Blick auf das Leben des Jubilars darf sein Enthusiasmus für die Bienenzucht nicht vergessen werden. Führte ihn doch früher sein Weg täglich in das eigene Bienenhaus in der Gambach. Über Jahrzehnte stand Karl-Wilhelm Stahl zudem an der Spitze des Freudenberger Imkervereins, dessen Wurzeln sich nach einem Artikel in den „Dillenburger Intelligenz Nachrichten“ bis 1776 zurückverfolgen lassen. Dort berichtet „Bienenverwalter Tillmann Siebel“ am 18. Oktober über die „hiesige Bienen-Gesellschaft“.
Interessen an Geschichte, Natur und Heimat sowie die Freude am Reisen, früher besonders mit dem Motorrad, prägen Karl-Wilhelm Stahls ereignisreiches Leben. Ihm gelten herzliche Glück- und Segenswünsche.
Beim diesjährigen Jahresempfang der Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine wurde 4Fachwerk-Gründungsmitglied Gottfried Theis mit der Ehrennadel ausgezeichnet. Damit wird sein großes ehrenamtliches Engagement für die Geschichtsarbeit in Freudenberg gewürdigt. Die Ausstellung im 4Fachwerk-Museum „Kunst und Kultur im Bergbau“ im Jahr 2018 war sein besonderes Ding. „Richtige Leidenschaft hat er für Grubenlampen entwickelt. Zu der Thematik hat er intensiv geforscht – die Ergebnisse füllen zwei gewichtige Bücher. Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen, ist sein Hobby,“ hieß es in der Laudatio über ihn, die ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann vortrug.
Ein aus dem Kreis Altenkirchen zugezogener Pädagoge, der am Berufskolleg in Siegen unterrichtete, und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums am Oberen Schloss ist, habe sich in vorbildlicher Weise ganz kontinuierlich in die Freudenberger Geschichte eingearbeitet und zu deren verständlicher Dokumentation und Kommunikation darüber in ganz beachtlicher Weise beigetragen.Im Rahmen der Feierstunde in der Kirche zu Oberholzklau gratulierte 4Fachwerk-Vorsitzender Klaus Siebel-Späth wie auch Bürgermeisterin Nicole Reschke vor Ort.
Als Festredner hatte Dr. Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie zur „Montan-Archäologie im Freudenberger Raum“ gesprochen. Passend dazu endete die Veranstaltung mit dem traditionellen Bergmannslied „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“, vorgetragen von Dagmar Klüser auf der Orgel und Arnim Klüser auf der Querflöte.
4Fachwerk-Museum bietet erneut Kalender mit historischem Rückblick
Es ist wieder so weit: Die 4Fachwerk-Aktiven im Arbeitskreis Stadtgeschichte haben erneut aus einem Fundus von historischen Bildern einem 4Fachwerk-Fotokalender gestaltet. Den alten Ansichten werden jeweils die aktuellen Anblicke gegenüber gestellt.
Damit können vergangene Perspektiven entdeckt und an zurückliegende Zeiten erinnert werden. Kurze Texte sorgen für Erläuterungen.
Der 4Fachwerk-Museumsverein sieht im Sammeln und der Aufarbeitung alter Fotografien einen wichtigen Beitrag zur Stadtgeschichte und zur Stadtbildforschung. Der Kalender kann das eigene Zuhause bereichern oder eignet sich als Geschenk.
Mit dem Verkaufserlös wird zudem die ehrenamtliche Arbeit für das Museum gefördert.
Der Kalender ist für 18 Euro zu den Öffnungszeiten erhältlich : im 4Fachwerk-Museum, Mittelstraße 4, Atelier Siebel, Kuhlenbergstraße 10; Tourist-Information + Bücherei, Kölner Str. 1, Marktplatz; Buchhandlung Filosophie, Bahnhofstraße 20: Holzwirtschaft, Marktstraße 15; Liebenswertes, Oranienstraße 20; Sowohnich, Kölner Str. 6; Galerie Neu & Alt, Olper Straße 1.
4. September, um 17 Uhr im 4Fachwerk Museum, Eintritt 3 Euro
In der „Leechtstonn“, also der Zeit nach der getanen Arbeit, wurden „im Flecken“ gerne Neuigkeiten ausgetauscht und Geschichten erzählt. Diese Tradition greift das Freudenberger 4Fachwerk-Mittendrin-Museum mit seiner Veranstaltungsreihe auf. In der jetzt 11. Ausgabe werden Dieter Siebel und Martin Quandel diesmal solche Begebenheiten aus einer Zeit zum Besten gegeben, als Mensch und so manches Tier unter einem Dach im Alten Flecken lebten, als Säen, Ernten, Heumachen oder Hausschlachtungen noch den Jahresablauf bestimmten.
So lautet der Titel der Veranstaltung auch „Der Flecken und das liebe Vieh“.
Die „Lechtstonn“ soll am Donnerstag, 4. September 2025, um 17:00 Uhr im 4Fachwerk-Museum stattfinden. Der Eintritt beträgt drei Euro.
Im Rahmen der Forschung zur „Landwirtschaft einst in Freudenberg“ tauchten neben Zahlen, Daten, Fakten immer witzige und bemerkenswerte Begebenheiten auf. Dieter Siebel sammelte diese und ergänzt damit seine eigene Flecker-Geschichten-Bibliothek. Damit ergeben sich wieder eine Fülle von kleinen erzählenswerten Ereignissen, mit denen er und Martin Quandel die Besucher der „Lechtstonn“ erfreuen wollen.
Mittendrin-Museum
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