Museum mit umfangreichen Zukunftsplanungen

4FACHWERK-Jahreshauptversammlung mit Vorstandswahlen

Auch eine Corona-Folge: Die Jahreshauptversammlung mit Rückblick auf zwei Jahre (2019 und 2020). 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel und seine Stellvertreterin Dr. Ingrid Leopold hatten den Vereinsmitgliedern im Ratshaus-Saal somit eine Menge zu berichten. Die Rückschau war Pandemie-geprägt. Von Mitte März bis Mitte Mai 2020 und von November 2020 bis Juni 2021 war das Museum entsprechend den Schutzverordnungen geschlossen. 2019 standen sieben Sonderausstellungen auf dem Programm, zu ihnen gehörte die geschichtliche Thematik „550 Jahre Asdorfer Weiher“. Ein Jahr später gingen nur noch zwei Ausstellungen planmäßig über die Bühne. Die große Worpswede-Präsentation „Alles mit Links“ war nur eingeschränkt in Etappen zu sehen, ebenso die Werkschau von F. Berndkaster. Lediglich eine „Lechtdonn“ konnte angeboten werden, mit der Dieter Siebel erzählender Weise Einblicke in die Geschehnisse im Alten Flecken gibt.

Wenn schon keine Gäste kommen konnten, so waren doch Handwerker im Museum aktiv. Das Treppenhaus wie die Fenster der Außenfassade konnten renoviert werden.

Und die Planungen für eine Umgestaltung der Uhrenausstellung im Dachgeschoss sowie gemeinsame Überlegungen mit dem LWL-Museumsamt für die Neukonzeption der „Stadtgeschichte“ wurden weiter vorangetrieben. Aktuelle Informationen über Programm und Angebote werden zudem über die Schaufensteranlage im Haus Oranienstraße 23 transportiert. „Für uns ist es zusätzliche Werbung und wir haben etwas gegen Leerstand in der Altstadt getan,“ so Ingrid Leopold.

In diesem Jahr wird 4Fachwerk noch zwei künstlerische Höhepunkte bieten. Ab 2. Oktober stellt sich unter dem Titel „Mein Universum“ der aus der Ukraine stammende und in Freusburg lebende Künstler Jevgenij Kulikov vor. Das Finale wird die Erinnerung an zwei Siegerländer Künstlerpersönlichkeiten bilden: Ab 20. November werden dann Werke von Theo Meier-Lippe und Ruth Fay im Freudenberger Museum zu sehen sein.

Alles in allem: Der Museumsverein 4Fachwerk Freudenberg e.V. hat sich noch viel vorgenommen und deshalb sollte auch die Zahl der Beisitzer im Vorstand von Vier auf Sechs erhöht werden. Eine Satzungsänderung, die einstimmig angenommen wurde. Ulrike David und Martin Quandel, zogen neu in den Vorstand ein, die weiteren Beisitzer sind Gero Gieseler, Marie-Luise Uhr, Christian Berner und Ulrich Tiede. Einstimmig wählten die 4Fachwerker ihren Vorsitzenden Dieter Siebel und seine erste Stellvertreterin Dr. Ingrid Leopold wieder. Neuer Vize-Vorsitzender ist darüber hinaus nun Klaus Siebel-Späth. Das einstimmige Votum „Wiederwahl“ galt ebenso für Schatzmeister Eckhard Günther und Schriftführer Bernd Brandemann. Kassenprüfer Gottfried Theis übernahm die Leitung der Wahlgänge. Für das künftige Prüfgeschäft wählten die Mitglieder Kasimir Zembala und Marli Bartling.

Für 2022 ist das Ausstellungsjahr bereits mit sechs Präsentationen vorgeplant und die Corona-Auszeit des Arbeitskreises „Stadt- und Baugeschichte“ soll nun beendet werden. „Alle Etagen werden in Kürze mit Luftfiltern ausgestattet sein,“ kündigt Klaus Siebel-Späth an, in dessen Ressort die „Haustechnik“ fällt.

Dieter Siebel dankte allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die dem Museum ihre Zeit und ihr Wissen schenken. Großes Lob galt dem Service- und Kassenbereich: „Der sorgt für die gute Atmosphäre im Haus“.

„Mein Universum“

4FACHWERK-Museum stellt den ukrainischen Künstler Jevgenij Kulikov vor

Jevgenij Kulikovs Anspruch klingt wie ein Widerspruch: Dynamisch aktive Bewegung im Stillstand darstellen. Bei seiner Bronzefigur „Balance“, die seit September 2019 den Eingangsbereich der Freudenberger Altstadt schmückt, ist dies dem 1946 in Kiew geborenen Künstlers genial gelungen.

Die Skulpturen des Bildhauers strahlen in der Tat Emotionen aus, wecken Empfindungen. Seine Werke tragen die Bezeichnung Licht, Morgen, Nacht, Aufwachen, Geist, Sohn, Familie oder Leidenschaft. Und sie strahlen treffsicher eine visuelle lebendige Wahrnehmung aus, die überall verstanden wird. Ruhe, behütete Zuneigung oder energiegeladenes Erwachen, seine Schöpferkraft weiß präzise diese Situation so zu formen, so dass damit eine eindeutige visuelle Botschaft verbunden ist. Hohe Kunst, die auf wirklichem Können und akribischer Handfertigkeit aufbaut.

Jevgenij Kulikovs Anspruch klingt wie ein Widerspruch: Dynamisch aktive Bewegung im Stillstand darstellen. Bei seiner Bronzefigur „Balance“, die seit September 2019 den Eingangsbereich der Freudenberger Altstadt schmückt, ist dies dem 1946 in Kiew geborenen Künstlers genial gelungen.

Kein Wunder. Jevgenij Kulikov genoss eine klassische Ausbildung und seine vielfältigen künstlerischen Tätigkeiten ließen seine Leistungsfähigkeit und Qualität beständig wachsen. Nach dem Besuch der Kunstschule (1958-1964) absolviert er sein Studium an der Nationalen Akademie der Bildenden Künste und Architektur in Kiew (1964-1970). Bekannt wird er durch Monumental-Plastiken an öffentlichen Gebäuden in seiner Geburtsstadt. 1981 entsteht eine elf Meter umfassende Prometheus- Skulptur für die Nationale Technische Universität, 1990 wird der hochtalentierte Bildhauer zum Professor ernannt, er kann seine Werke international auf Ausstellungen präsentieren.

Er arbeitet zudem als Bühnenbildner, entwirft Kostüme für Theateraufführungen, kreiert Lichtinstallationen. Eine innige Liebe zum Theater ist unverkennbar: Seine erste Bühnenarbeit am Nationaltheater Prag wird 1997/98 als die beste in Tschechien ausgezeichnet. Er erhält den Kritikerpreis für die beste Inszenierung auf dem Festival „Moskauer Frühling 89“, ebenso den Hauptpreis des internationalen Festivals in Washington „Deaf way“.

1995 zählt Kulikov zu den Mitbegründern des „Theaters der Poesie“ in Kiew, ein Projekt, das durch Verbot wegen des großen Interesses in der Bevölkerung schließlich endet.

Der eigentlich vorgezeichnete Erfolgsweg wird ausgebremst. Zunehmend empfindet er sein Land „als großes Gefängnis“. „Nach dem Zerfall der früheren UdSSR wurde dort alles andere gebraucht, nur nicht die Kunst“, äußert er sich in einem Interview. Und wenn doch, so habe ihm die künstlerische Freiheit gefehlt. „Ich will nicht die Ideen von Politikern verwirklichen, sondern meine,“ so sein eindeutiges Votum. „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu,“ formulierte Wolf Biermann in ähnlicher Situation.

Den hochangesehenen und begabten Künstler Kulikov führt sein Weg 1993 nach Deutschland. Hier arbeitet er wieder als Bildhauer und Restaurator. Die Restauration und Wiederherstellung des Skulpturenkomplex im Mausoleum der Grafen von Wied-Runkel in Dierdorf zählt dabei zu einer seiner wichtigen Aufgaben.

Bei seinem Aufenthalt im Westerwald lernte er seine Ehefrau Irina kennen. Der erste Wohnort für Beide war Unnau bei Bad Marienberg. Seit 2003 ist die Familie mit Töchtern in Freusburg beheimatet.

1995 schuf er eine Büste von Ernst Jünger (1895-1998) zum einhundertstem Geburtstag des Schriftstellers. Ein Bronze-Abguss davon ist im Jünger-Haus in Wilflingen (Landkreis Biberach, Oberschwaben) ausgestellt.

Zunehmend bringt der Künstler seine Gedanken als Maler zum Ausdruck. Seine wirkungsvollen Bilder entstehen zumeist mit Ölfarben auf Leinwand. Sie werden nun im Freudenberger 4Fachwerk-Mittendrin-Museum präsentiert. Aber auch Beispiele aus seinem Schaffen als Bildhauer oder Bühnenbildner werden gezeigt.

Und wenn ukrainische Gäste nach Freudenberg kommen, werden sie sich beim Anblick der Stadtfahnen womöglich sehr geehrt fühlen. Denn zufällig sind die traditionellen Stadtfarben Blau/Gelb identisch mit den Nationalfarben der Ukraine. Nach populärer ukrainischer Lesart handele es sich um die symbolische Darstellung der „Kornkammer Europas“, das kräftige Gelb symbolisiere reife Kornfelder, das Blau den Himmel darüber. Tatsächlich liegen die Ursprünge der ukrainischen Nationalfarben im mittelalterlichen Fürstentum Galizien-Wolhynien, dessen Wappen ein goldener Löwe auf blauem Feld darstellte. Die Siegerländer Farben blau/gelb gehen auf das Stammwappen des Fürstentums Nassau-Siegen zurück. Dort heißt es: „In Blau ein goldener Löwe“.

Die Ukraine erlangte 1991 ihre Unabhängigkeit, als sie sich aus dem zerfallenden Staatenbund der Sowjetunion löste. Seit 1992 verwendet sie wieder die Flagge in der heutigen Form. Sie bedeutet also geschichtliche Kontinuität wie Ausdruck des Wandels.

Ukraine und Deutschland verbindet Kunst: In diesem Sommer dirigierte mit der Ukrainerin Oksana Lyniv zum ersten Mal in der 145-jährigen Geschichte der Bayreuther Wagner-Festspiele eine Frau die Premieren-Aufführung. Sie stammt aus Brody in der Westukraine, wie auch der Schriftsteller Joseph Roth.

Im Bereich des Sports gehört der Ex-Profiboxer Vitali Klitschko zu den in Deutschland bekannten Gesichtern. Der frühere Wahl-Hamburger amtiert seit 2014 als Bürgermeister der Drei-Millionen-Stadt Kiew, der Metropole des Landes.

Katastrophen und Konflikte belasten die Ukraine. Der 1986 erfolgte Reaktorunfall von Tschernobyl hatte erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Russland annektierte 2014 die Krim-Halbinsel, in der Ost-Ukraine in den Gebieten Donezk und Luhansk stehen sich pro-russische Separatisten und ukrainische Regierungstruppen gegenüber. Aktuell befürchtet die Ukraine Nachteile durch das Gas-Pipeline-Projekt Nord Stream 2, wenn es damit die eigene Funktion als Gas-Transitland mit entsprechenden Einnahmen verlieren sollte. Gewünscht wird in der Ukraine von Deutschland mehr Unterstützung für seine Verteidigungsaufgaben.

Eine rege Reise-Diplomatie kennzeichnen die letzten Monate in den Beziehungen zwischen beiden Ländern. Bundeskanzlerin Merkel unterstreicht bei ihrem Besuch am 22. August ausdrücklich „die freundschaftliche Verbundenheit“. Sie ehrte in einer Kapelle die 2014 am Kiewer Maidan (Platz der Unabhängigkeit) getöteten proeuropäischen Demonstranten. Hier hatten im November 2013 die zunächst stillen Proteste gegen die fehlende europäische Perspektive der damaligen Regierung begonnen. Präsident Selenskyj trifft Angela Merkel im prachtvollen barocken Marienpalast, an dessen Restauration Jevgenij Kulikov so erfolgreich beteiligt war und wofür er 1983 mit dem renommierten Schwetschenko-Preis ausgezeichnet wurde.

Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj absolvierte im Juli 2021 einen offiziellen Deutschland-Besuch. „Die Ukraine ist ein wichtiger Partner in unserer unmittelbaren europäischen Nachbarschaft. Wir schätzen die klare Ausrichtung nach Europa und haben ein hohes Interesse an geopolitischer Stabilität, Souveränität und Modernisierung in der Ukraine. Deshalb unterstützen wir die Reformanstrengungen der Ukraine.,“ äußerte sich dabei der NRW-Ministerpräsident. In dem Gespräch zwischen Laschet und Präsident Selenskyj ging es um Möglichkeiten, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Ukraine zu vertiefen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing im April den Ministerpräsidenten der Ukraine, Dr. Denys Shmyhal, zum Gespräch und traf am 8. August mit Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj zusammen.

Die Ukraine ist nach Russland der größte Staat Europas. Am 7. Februar 2019 verankerte dessen Parlament mit einer Mehrheit von 334 der 450 Abgeordneten in der Verfassung eine „strategische Orientierung der Ukraine zum vollständigen Beitritt zur EU und der NATO“.

Das Schicksal seines Geburtslandes beeinflusste maßgeblich Biografie und Lebenslinie von Jevgenij Kulikov, der am 25. Mai 1946 in Kiew das Licht der Welt erblickte. Die Ereignisse seines Lebensweges und das daraus resultierende Denken und Handeln sowie sein facettenreiches künstlerisches Wirken summieren sich zu seinem „Universum“. An dieser Gesamtheit von Raum, Zeit, Materie und Energie lässt er die Besucher der Ausstellung zu seinem 75. Geburtstag nun teilhaben, die folgerichtig den Titel „Mein Universum“ trägt. Zwar stehen generell Kunstliebhabern die Türen in seinem Freusburger Burgatelier offen, die Freudenberger Ausstellung bietet nun jedoch konzentriert und umfassend einen Einblick in sein Lebenswerk.

Kulikov: „Das Konzept der Ausstellung ist der philosophisch-allegorische Versuch der Welt Sinnhaftigkeit zu verleihen, mit Mitteln der Malerei, der Bildhauerei und ebenso mit denen des Theaters.“ Die Gäste dürfen sich also auf eine vielfältige Werkschau freuen. Ein Gemälde trägt passend die Bezeichnung „Mein Universum“, andere „Geburt des Phönix“, „Das Oratorium der Zeit“ oder „Altar der Unsterblichkeit“. 

Das Museum zeigt die Ausstellung in der Zeit vom 2. Oktober bis zum 14. November 2021. Es ist mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind nach Absprache möglich.