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Meisterin des Faltenwurfs

4Fachwerk-Museum würdigt Margret Judt

Auf den ersten Blick ist nur ein Stück Stoff zu sehen. Doch in der künstlerischen Darstellung entsteht daraus ein Spiel aus Licht und Schatten, Bewegung und Tiefe. Die kunstvolle Anordnung von Stoff und Falten wird als Draperie bezeichnet; ihr prägendes Gestaltungsmittel ist der Faltenwurf.

Die Draperie gehört zu den ältesten und anspruchsvollsten Aufgaben der Malerei: der Darstellung von fallendem, faltenreichem Stoff.

In der Renaissance entwickelte sich die Draperie-Studie zu einer eigenständigen Kunstform. Leonardo da Vinci, Ghirlandaio und Raffael erforschten in ihren Tuchstudien den Schleier als abstrakte Form – losgelöst vom Körper, den er umhüllte.

Faltenwürfe lassen Stofflichkeit, Körpervolumen und Bewegung sichtbar werden. Sie können Formen verhüllen, kaschieren oder betonen. Zugleich galten kostbare, üppig drapierte Stoffe als Zeichen von Wohlstand und Einfluss: Vor allem Vertreter höfischer Macht ließen sich darin porträtieren, um ihren Rang zu unterstreichen.

In unserer Region machte Margret Judt (14. Juli 1934 – 9. April 2025) den Faltenwurf zu ihrem unverwechselbaren künstlerischen Markenzeichen. Ihre letzte Ausstellung wurde vier Tage vor ihrem Tod in Kreuztal unter dem Titel „Vielfältig – Verdecktes, Verhülltes – Knoten und Falten“ eröffnet. Nun widmet ihr das 4Fachwerk-Museum seine letzte Ausstellung des Jahres. Damit setzt der Museumsverein seine Tradition fort, einmal jährlich eine verstorbene Künstlerin oder einen verstorbenen Künstler zu ehren, die oder der in der Region bedeutende ästhetische Spuren hinterlassen hat.

Kuratiert wird die Freudenberger Ausstellung von Petra Georg Achenbach aus Wilnsdorf, einer Freundin und langjährigen künstlerischen Begleiterin Margret Judts. Die Diplom-Designerin, Coachin, Moderatorin und Betreiberin eines Schmuckateliers stellt die Werke in engem Austausch mit Ulrike David zusammen, die das Kunstprogramm des 4Fachwerk-Museumsvereins verantwortet.

Stoffe in Kunst zu verwandeln, prägte das Leben Margret Judts. Sie wurde 1934 in Krefeld geboren. Möglicherweise weckte bereits ihre Großmutter, die eine Schirmwerkstatt betrieb und mit Stoffen arbeitete, ihr Interesse an textilem Material. Früh stand für Margret Judt fest, dass sie Künstlerin werden wollte. Von 1948 bis 1952 ließ sie sich zur Textildesignerin ausbilden und besuchte die Meisterschule in Krefeld. Textile Kreativität und handwerkliche Erfahrung schufen wichtige Voraussetzungen für ihr späteres Werk, in dem fließende Falten sowie das Wechselspiel von Licht und Schatten eine zentrale Rolle spielen. Weitere künstlerische Impulse erhielt sie an der Siegener Malfachschule bei Theo Meier-Lippe (1907–1980). Offen für unterschiedliche Techniken, entwickelte sie schließlich ihren unverwechselbaren Stil: „Ich male Stoffe.“ Fortan galt sie als „Meisterin des Faltenwurfs“.

Die ASK-Homepage zitiert ihr Selbstverständnis: „Immer hat mich Textiles fasziniert. Verfaltungen zu finden und sich damit auszudrücken war und ist mein Weg. Verhüllen und verdecken, aufdecken und zudecken. Zerfetzen und zerreißen. Die Ausdrucksformen sind wandlungsfähig.“

Ihre Kindheit war von Krieg und Verlust geprägt. Als Margret Judt acht Jahre alt war, starb ihre Mutter bei einem Bombenangriff. Der Vater war als Soldat fern der Heimat. Die Großmutter brachte Margret und ihren Bruder zunächst bei einer Tante in Ostpreußen unter. Als die Front näher rückte, flohen sie nach Krefeld. Zwar kehrte auch der Vater dorthin zurück, nahm seine Kinder jedoch nicht bei sich auf. Margret wurde von ihrem Bruder getrennt und lebte fortan in einem Heim.

Ihr Leben nahm eine neue Richtung, als sie im Alter von 16 Jahren ihrem späteren Mann Helmut Judt begegnete. Er fand als Ingenieur eine berufliche Zukunft in Siegen, und Geisweid wurde zur Wahlheimat Margret Judts. Von dort aus baute sie ihre künstlerische Laufbahn auf; ihre Werke fanden bei Ausstellungen im In- und Ausland Bewunderer. 1973 schloss sie sich der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstler (ASK) an, der sie bis zu ihrem Tod mehr als fünf Jahrzehnte treu blieb. Seit 1980 gehörte sie dem Kunstverein Siegen an. Zudem war sie Mitglied der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden

(GEDOK) Bonn e.V. und im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Westfalen.

Margret Judt verband ihr künstlerisches Wirken mit großer sozialer Verantwortung. 2017 stiftete sie 50 Prozent der Erlöse aus der Ausstellung „Faltung und Entfaltungen“ in der Martini-Kirche an die EFL-Stiftung für die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Evangelischen Kirchenkreises Siegen. Bei einer Auktion im Rahmen ihrer letzten Präsentation, die im April 2025 insgesamt 148 Werke zeigte, kamen 10.000 Euro zusammen. Auf Margret Judts ausdrücklichen Wunsch ging die Summe an das Projekt „Housing First“, das Frauen in Wohnungslosigkeit unterstützt. Zwei Tage später, am 9. April 2025, starb die Künstlerin; am 20. Juni 2025 wurde ihre Urne im Siegener Friedhofswald beigesetzt. Im Vorfeld der Ausstellung in der Gelben Villa in Kreuztal und der Auktion hatte sie gesagt: „Wenn ich diese Aktion noch erlebe, werde ich einen Tag später die Welt in Freude verlassen.“

Die Ausstellung im 4Fachwerk-Museum in Freudenberg zeigt bis zum 10. Januar 2027 bekannte und bislang unbekannte Werke aus dem Nachlass Margret Judts.

Die Vernissage wird am Freitag, 13. November 2026, um 19:00 Uhr im Museum stattfinden.

Zeitreise in Bildern: Freudenberg einst und heute

4Fachwerk-Museum bietet erneut Kalender mit historischem Rückblick

Historische Fotos ermöglichen unterschiedliche Zugänge zur Stadtgeschichte. In dem ihnen aktuelle Ansichten gegenübergestellt werden, öffnet sich der Blick für Veränderungen und Entwicklungen. Atmosphäre von einst wird bebildert, der Wandel der Zeiten dargestellt und so der Raum auch für ganz persönliche Erinnerungen geöffnet.

Diesen Motiven folgend haben die 4Fachwerk-Geschichts-Aktiven erneut aus einem Fundus von historischen Bildern einem attraktiven Fotokalender gestaltet. Kurze Texte sorgen für Erläuterungen.

Der 4Fachwerk-Museumsverein sieht im Sammeln und der Aufarbeitung alter Fotografien einen wichtigen Beitrag zur Stadtgeschichte. Der Kalender kann das eigene Zuhause bereichern oder eignet sich als Geschenk.

Mit dem Verkaufserlös wird zudem die ehrenamtliche Arbeit für das Museum gefördert. 

Ein besonders reizvolles Kalendermotiv eröffnet einen seltenen Blick aus einem Fenster der Villa Bubenzer auf die Bahnhofstrasse – mit den markanten Gebäuden von damals Post und Amtshaus.

Wo heute der Verkehr das Straßenbild prägt, bot die Bahnhofstrasse damals im Winter sogar Platz zum Schlittenfahren.

Amt und Post veränderten das Stadtbild nachhaltig: Das im September 1906 seiner Bestimmung übergebene Amtsgebäude bestand bis zum Frühjahr 2009. Das 1908 bezogene Postgebäude hingegen ist erhalten geblieben und wird heute anderweitig genutzt.

Der Kalender ist für 18 Euro zu den Öffnungszeiten erhältlich 

im 4Fachwerk-Museum, Mittelstraße 4, 
Atelier Siebel, Kuhlenbergstraße 10;
Tourist-Information + Bücherei, Kölner Str. 1, Marktplatz;
Buchhandlung Filosophie, Bahnhofstraße 20:
Holzwirtschaft, Marktstraße 15;
LiEBENSWERT, Oranienstraße 20;
SoWohnIch, Kölner Str. 6;
Galerie Freudenberg, Olper Straße 1.

4Fachwerk-Museum lädt zur Präsentation KI-gestützter Geschichtsfilme ein

Christian Berner präsentiert drei filmische Episoden aus der Freudenberger Geschichte

Wie lässt sich Freudenberger Geschichte spannend und anschaulich erzählen? Dieser Frage widmet sich der Arbeitskreis Stadtgeschichte des 4Fachwerk-Museums. Bei seinen regelmäßigen Treffen arbeitet das Team historische Themen auf. Für eine zeitgemäße Präsentation werden neue Formen der Vermittlung gesucht.

Einen Beitrag dazu leistet Christian Berner. Er nutzt künstliche Intelligenz (KI), um einzelne Kapitel der Freudenberger Geschichte in bewegten Bildern zu veranschaulichen. Bei der Filmpräsentation im Museum stellt er drei historische Episoden vor:

1586: Die Geheimkonferenz von Schloss Freudenberg gilt als Auslöser der Befreiung der Niederlanden von den Spaniern (https://de.wikipedia.org/wiki/Achtzigjähriger_Krieg). Ein 80 Jahre dauernder Krieg war die Folge, der erst im Rahmen des Westfälischen Friedens 1646 beigelegt werden konnte.

1666: Im Hitzesommer brannte nicht nur London sondern auch Freudenberg ab. Fürst Johann Moritz zu Nassau Siegen, international erfahren und architektonisch interessiert, fällte weise Entscheidungen und sorgte für den Wiederaufbau und somit für das heutige Erscheinungsbild.

1796: In Freudenberg wurde die französische Kriegskasse geplündert. Die Franzosen, im Inbegriff die Stadt niederzubrennen konnten nur dank der Überzeugungskraft des Arztes Johann Wilhelm Weiland davon abgebracht werden. So konnte der „Alte Flecken“ bewahrt werden.

Christian Berner erläutert: „Die Filme sind als Entwürfe zu verstehen. Sie stellen nicht die Wirklichkeit dar, illustrieren jedoch die recherchierte Geschichte auf imposante Art und Weise.“ So könne auf Basis historischer Fotos und Zeichnungen ein möglicher Einblick in die Freudenberger Vergangenheit gegeben werden.

Termin: Donnerstag, 8. Oktober 2026, 17:00 Uhr.

Eintritt 5 Euro, der der Museumsarbeit zugute kommt.

Wenn Kunst dem Alltag widerspricht

Ausstellung von Bruno Obermann mit großer Resonanz eröffnet

An den Beginn seiner einleitenden Worte setzt Bruno Obermann das Zitat des amerikanischen Malers Ad Reinhardt: „Kunst ist nur als Kunst Kunst, alles Andere ist alles Andere“. Damit will er die Eigenständigkeit der Kunst unterstreichen, die einen eigenen Lebensbereich bildet und als solche keinen wirtschaftlichen Zweck erfüllt.

Bruno Obermann auf den Titel „Von mir aus“ seiner Präsentation angesprochen: „Ja, ich gebe durch meine Bilder etwas von mir an die Öffentlichkeit und warte auf eine Resonanz.“

Der in Netphen lebende und durch zahlreiche Ausstellungen in 40 Schaffensjahren auch international bekannte Künstler formuliert sein Ansinnen: „Meine Arbeiten sind keinesfalls realistisch, sie sollen zum Widerspruch und Nachdenken anregen.“

Er will eine eigene Gegenwelt zum Alltäglichen und Nützlichen schaffen und beruft sich dabei auf den Philosophen Theodor W. Adorno „Kunst ist die Magie befreit von der Lüge Wirklichkeit zu sein“.

Obermanns berühmtes Faible für Köpfe, das ein Buch von Christian W. Thomsen würdigt, wirkt nach: „Unbedingt wollte ich davon wegkommen, aber es gelingt nicht immer.“ Denn: Für die Freudenberger Ausstellung hat er seine frühen Werke noch einmal einem kritischen Blick unterzogen. „Vieles würde ich so nicht mehr zeigen.“ Und so begann er Arbeiten der 1980er Jahre zu überarbeiten, sie einem Veränderungsprozess in Format, Ausdruck und Darstellungsart zu unterziehen. „Man muss Sehgewohnheiten überstrapazieren.“ Seine Gemälde besitzen einen hohen Abstraktionsgrad und laden dazu ein, eigene Assoziationen zu entwickeln.

Auch ein ganz praktischer Aspekt spricht für den Transformationsprozess: Obermann ist ansonsten für seine großformatigen Werke bekannt. Für das Kunstforum im 4Fachwerk-Musem benötigte er eher Arbeiten im Klein- und Mittelformat. „Die sind absolut sehenswert, „äußern sich Besucher während der Vernissage begeistert.

Viele Siegerländer Kunstfreunde sind zur Eröffnung in den Alten Flecken gekommen. 4Fachwerk-Vorsitzender Klaus Siebel-Späth griff in seiner Begrüßung den Impuls Obermanns auf, den Abend als ein Forum zum Dialog zu verstehen. Mit vorbereitet hatte die Ausstellung Ulrike David, die sich beim Museumsverein um die wechselnden Kunst-Präsentationen kümmert. 

Unter den Gästen auch der Siegerländer Landtagsabgeordnete Jens Kamieth: „Ich habe noch gut die Ausstellung von Bruno Obermann 2018 im Düsseldorfer Landtag in Erinnerung, die dort großen Eindruck hinterlassen hat.“

„Von mir aus“ wird bis zum 8. November 2026 in Freudenberg zu sehen sein.

„Von mir aus“

Bruno Obermann zeigt Malerei voller Gedanken, Material und Atmosphäre

Mit der Ausstellung „VON MIR AUS“ lädt das 4Fachwerk-Museum zu einer Begegnung mit dem Werk des Netphener Künstlers Bruno Obermann ein. Seine Malerei eröffnet Räume für Gedanken, Träume und Fantasien – kraftvoll, sinnlich und geprägt vom lebendigen Zusammenspiel von Farbe, Form und Material.

Bruno Obermann zählt seit vielen Jahren zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten der Region. Seit 1984 zeigt er seine Arbeiten in Ausstellungen – unter anderem in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Polen, Spanien und den USA. Im gleichen Jahr gründete er gemeinsam mit zwei weiteren Künstlern die Produzentengalerie Direktkunst. Bis heute ist er aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler.

Den entscheidenden Impuls zur Malerei erhielt Obermann 1978 in Südfrankreich. Galeriebesuche wurden für den jungen Künstler zu einem prägenden Erlebnis: Er entdeckte die Impressionisten, besorgte sich Ölfarben – und hörte nicht wieder auf zu malen. Seine Bilder verstehen sich nicht als bloße Abbildungen von Gegenständen oder Situationen. Vielmehr entstehen sie aus einem „freien Spiel der Kräfte“: Farbe, stoffliche Substanz und Formgebung treten in einen spannungsvollen Dialog. Das Kunstwerk erscheint dabei weniger als abgeschlossenes Ergebnis, sondern als Momentaufnahme eines dynamischen Malprozesses.

Obermanns Arbeiten entstehen nicht in einem Zug. Unterbrechungen gehören bewusst dazu: Sie schaffen Raum zum Nachdenken, zum Reflektieren und zum Weiterentwickeln. Der Künstler ist Autodidakt; studiert hat er nicht Kunst, sondern Betriebswirtschaft. Neben seiner beruflichen Laufbahn in leitender Funktion in der Industrie wuchs seine künstlerische Berufung stetig weiter. Zielstrebig und wissensdurstig setzte er sich mit den Meistern der Malerei, mit unterschiedlichen Kunstrichtungen und Darstellungsformen auseinander.

Daraus entwickelte Obermann eine eigene Form- und Symbolsprache. Gestalt und Material werden bei ihm zu einer visuellen Sprache, die Empfindungen, Erinnerungen und innere Bewegungen sichtbar macht. In den Arbeiten der letzten Jahre steht immer wieder der menschliche Kopf mit seinen Sinnesorganen im Mittelpunkt. In ihm, so der Künstler, spiegeln sich Lebenserfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte ebenso wie Ängste und Zweifel.

„Ich will eine atmosphärische Stimmung mit meiner Kunst schaffen, die es ermöglicht, Geschichten entstehen zu lassen“, sagt Bruno Obermann. Seine Gemälde besitzen einen hohen Abstraktionsgrad und laden dazu ein, eigene Assoziationen zu entwickeln. Reine Wanddekorationen sollen sie ausdrücklich nicht sein.

Gerade aus der Tiefe von Textur und Material entfalten seine Darstellungen Sinnlichkeit und Aura. Die Ausstellung im 4Fachwerk-Museum macht diesen besonderen Zugang zur Malerei unmittelbar erfahrbar und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich auf die vielschichtigen Bildwelten Bruno Obermanns einzulassen.

Die Ausstellung „VON MIR AUS“ ist bis zum 8. November 2026 im 4Fachwerk-Museum zu sehen.